Capoeira

Capoeira ist eine Kunst, die Tanz und Kampf vereint. Sie wurde von afrikanischen Sklaven in Brasilien entwickelt, die während der Zeit der Kolonisation von den Portugiesen dorthin verschleppt wurden. Da den Sklaven jegliches Ausüben eines Kampfsportes streng untersagt war, waren sie gezwungen, derartiges körperliches Training zu tarnen. So mischten sie unter ihre traditionellen afrikanischen Ritualtänze Übungen, um Beweglichkeit und Schnelligkeit zu trainieren.
Capoeira gewinnt heutzutage immer mehr Anhänger aus den verschieden sozialen Schichten Brasiliens wie auch weltweit. So genießt die Capoeira mittlerweile dank ihres zunehmenden Bekanntheitsgrades in der ganzen Welt eine allgemeine Anerkennung als Kunst der Rhythmen und Bewegungen, die die Kreativität eines lange unterdrückten Volkes wiedergibt und lebt.
Dank der vielfältigen Vermittlung von Werten, die die Capoeira sowohl auf individueller als auch auf sozialer Ebene mit sich führt, ist diese Kunst eine große Bereicherung für die Gesellschaft. Das Ziel der Capoeira besteht darin, durch Erlernen der grundlegenden Bewegungsabläufe sowie historischer, kultureller und musikalischer Aspekte und Hintergründe besondere Fähigkeiten und Wissen auf spielerische Art zu erlangen und zu fördern. Auch sollen auf diese Weise Raum und Bedingungen geschaffen werden, die es ermöglichen, über Kreativität, Selbstverwirklichung und deren Umsetzung nachzudenken.
Das historisch-kulturelle Gesamtwerk, das die Capoeira und ihre Ausübung auszeichnet, kann viel zum Wohl der Gesellschaft beitragen und insbesondere die Integration sogenannter "Randgruppen" fördern. Einen Platz in der Gesellschaft suchten damals auch die Sklaven Brasiliens, und die Capoeira mit ihren Mitteln und Wegen der Verteidigung, aber auch des Vergnügens, war ihr Werk. Sie diente als vielseitige Unterstützung im Umgang mit den harten Lebensbedingungen.

Auch in der heutigen Zeit hat die Kunst der Capoeira bereits erheblich zu der Erziehung und Bildung von Kindern, Jugendlichen und selbst Erwachsenen beigetragen. Dieses vielversprechende Potenzial in der Lehre und Ausübung hat außer dem historischen Kontext noch weitere Gründe:
  • Capoeira fördert die Entwicklung körperlicher Fähigkeiten wie Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Gleichgewicht, Motorik und Koordination. Ein gesunder, trainierter Körper bewältigt auch die Anforderungen des Alltags müheloser.
  • Capoeira beschäftigt sich auch mit dem Zusammengehörigkeitsgefühl einer Gruppe (bzw. einer Gemeinschaft), indem sie Werte wie Ehrlichkeit, Verantwortung, Vertrauen, Disziplin und Selbstkenntnis auf eine Art vermittelt, die zur Persönlichkeitsfindung und -bildung beiträgt.
  • Capoeira wird auf spielerische Weise eingesetzt und regt die Kreativität der Teilnehmer auch mit musikalischen und künstlerischen Tätigkeiten an.
Capoeira ist nach wie vor ein Symbol für den Kampf gegen Unterdrückung und Diskriminierung. Die ursprüngliche Hauptfunktion, die der Verteidigung gegen die Unterdrücker, ist zunehmend die der gesellschaftlichen Bildung geworden. Heutzutage wird in der Tat ein großer Teil der Sozialprojekte in Brasilien, insbesondere bei der Sozialarbeit mit Straßenkindern, von Capoeira-Schulen begleitet bzw. ins Leben gerufen.

Capoeira als Kunst und Ausdrucksform des Volkes zählt mittlerweile zu den beliebtesten kulturellen und sportlichen Moden und wird weltweit praktiziert.